Der Bahnhof

Eine Kurzgeschichte über einen geheimnisvollen Bahnhof, seit Jahrhunderten verlassen. Doch an diesem Tage passieren seltsame Dinge dort.

Tim wachte schweißgebadet in seinem Bett auf. Ein hohes Pfeifen weckte ihn aus seinem Traum.

»Was war das? Das klang wie eine Lokomotive … Aber sowas gibts doch schon seit Jahrhunderten nicht mehr!«

Er pellte sich aus seinem Bett und ging zu seinem Fenster. Mit einem Knopfdruck an der Fensterbank verschwand das nächtliche digitale Bild und ließ den Blick auf die eigentliche Landschaft frei werden. Das Tageslicht blendete ihn in seinen Augen. Er warf nur selten einen Blick auf die Gegend. Seit die Böden versucht wurden, befand sich nur noch trockenes Ödland hinter seinem Haus, so weit das Auge reichte. Hinten, zwischen der vertrockneten Baumgruppe war ein alter, verlassener Bahnhof.

»Das gibts nicht, da hinten ist Rauch! Da muss ich hin und mir das ansehen!«

Wenige Momente später sprintete er aus der Wohnung Richtung Bahnhof. Noch konnte er nicht erkennen, was oder wer den Rauch auslöste, doch in der Ferne erkannte er schemenhaft einige Gestalten.

Eine trug etwas in der Hand, es sah aus wie eine Holzkiste.

»Was geht hier vor? Wo haben die das Holz her? So etwas Wertvolles würde doch niemand mehr zu einer Kiste verarbeiten …«

Dank des Ödlands gab es zwar sehr wenig Vegetation, doch hier und da wuchs ein mächtiger Kaktus aus dem Boden.

Tim verlangsamte seinen Schritt und versteckte sich hinter einem dieser riesigen Gewächse.

Jetzt konnte er es erkennen: Im Bahnhof stand tatsächlich eine nachtschwarze Lok. Ihr Schornstein qualmte und mehrere Männer beluden die Waggons mit Kisten in allen Größen. Ein Mann in Uniform zeigte in verschiedene Richtungen und rief Befehle, als eine andere Person hastig heraneilte. »Telegramm vom Oberbefehlshaber: Die Beladungen sind unverzüglich zu beenden. Die Karawane muss sich sofort in Bewegung setzen. Der Zeitplan lässt keine Verzögerung mehr zu. Ende des Telegramms«.

Tim schluckte.

Was hat das alles zu bedeuten? Welche Geheimnisse verbergen dieser Kisten? Er versuchte noch etwas näher heranzukommen, als er neben sich jemand rufen hört.

»He, was tust du hier? Wachen! Eindringling!«

Tim sprang auf und spurtete los. Er schaffte drei große Schritte, als er auf dem mit Kieselsteinen bedeckten Boden ausrutschte und sich das Knie aufschürfte.

Hektisch rappelte er sich auf und rannte panisch in Richtung seines Hauses.

Noch einmal hörte er das Pfeifen der Lok. Doch erst als er an seiner Haustür ankam, traute er sich umzudrehen.

Der Bahnhof sah wieder komplett verlassen aus. Kein Rauch. Keine Lok. Keine Menschen.

Dann packte eine Hand seine Schulter.

Als er sich noch versuchte umzudrehen, schreckte er schweißgebadet in seinem Bett auf.

Schreib-Challenge

Diese Geschichte ist im Rahmen einer Schreib-Challenge entstanden. Die Bedingungen:

  • Oberthema: Geheimnis
  • Begriffe: Kieselstein, Telegramm, Kaktus
  • Ort: Verlassener Bahnhof
  • Zeitlimit: 20 Minuten
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